Samstag, 29. März 2014

Kreatin

Kreatin ist ein Stoff, der in geringen Mengen vom menschlichen Körper selbst produziert wird. Es kommt hauptsächlich in frischem Fleisch und Fisch vor. Wer sich vegetarisch ernährt, ist vermutlich unterversorgt. Eine externe Zufuhr durch Nahrung oder Supplemente ist unter Umständen aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll.

In vielen Sportarten wird Kreatin schon seit langem zur Leistungssteigerung verwendet und sogar zur Verletzungsvorbeugung empfohlen. Das gilt hauptsächlich für Athleten, die hohe Kraftleistungen im geringen Wiederholungsbereich oder im Maximalkraftbereich erbringen. Zum Beispiel Gewichtheber oder Sprinter, also grundsätzlich alle Sportler, die ihre Muskeln in relativ kurzer Zeit hohen Belastungen aussetzen. In Ausdauer-Sportarten wird weniger darauf zurückgegriffen. Unter anderem deshalb, weil eine erhöhte Kreatin-Zufuhr schon nach etwa einer Woche zu einer Steigerung des Körpergewichts um 1 - 5 kg führen kann. Das bedeutet für Marathonläufer die sichere Niederlage. Nebenwirkungen sind bei einer normalen Dosis selbst nach monatelanger Dauersupplementierung selten vorhanden. Anfangs kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen, aber das hängt auch damit zusammen, was man sonst noch so zu sich nimmt. Dabei ist eine erhöhte Wasserzufuhr wichtig, da Kreatin zu intrazellulären Wassereinlagerungen (Retention) führt.

Kreatin bewirkt eine bessere Energiebereitstellung in der Muskulatur und eine verringerte Übersäuerung bei Kraftanstrengungen. Der Muskel ermüdet also später. Dadurch lässt sich härter trainieren und man erzielt schnellere Trainingsfortschritte. Bei Versuchen mit Vegetariern hat sich gezeigt, dass sich auch ihre geistige Leistungsfähigkeit verbessert hat, nachdem sie zusätzlich Kreatin supplementierten. Und zwar in höherem Maße, als es bei Fleischessern der Fall war. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass bei Vegetariern häufig ein Kreatinmangel vorliegt.

Eine gute Artikelserie, die die Wirkungen von Kreatin in aller Ausführlichkeit analysiert: http://www.team-andro.com/kreatin-superfeature-teil1.html


Montag, 24. März 2014

Isolierte Völker ohne Kontakt zur Zivilisation

Nur noch wenige Stämme und Völker sind wirklich unberührt von jeglichem Kontakt zur westlichen Zivilisation und modernen Technik, die die ganze Welt überflutet haben. Wenn es zu einem Kontakt kommt, reagieren sie oft mit Angst, Abwehr, Flucht vor dem Unbekannten, oder sogar Waffengewalt.

Der Gedanke, dass ein Stamm völlig abgeschottet von der globalisierten Welt die eigene Kultur und Tradition bis in die heutige Zeit erhalten hat, ist faszinierend. Ein Kontakt mit der Zivilisation birgt für die Eingeborenen erhebliche Gefahren. Die Entdeckten bekommen dann nämlich meistens Probleme, die von den Entdeckern ausgehen. Der ganze Stamm kann durch eine für uns harmlose Krankheit ausgerottet werden, da das Immunsystem der Stammesangehörigen nicht vorbereitet ist. Kriminelle könnten sie in unlautere Geschäfte verwickeln. Die Verlockungen des modernen Lebens könnten ihre Kultur und Familienstrukturen innert kürzester Zeit vernichten. Viele dieser Stämme wollen auch aufgrund anderer schlechter Erfahrungen keinen Kontakt. Und das wird von Behörden wie der FUNAI (Brasilien), die die Selbstbestimmung der Völker im Sinn haben, akzeptiert und gefördert. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass keine Expeditionen in Gebiete gestattet werden, die von isolierten Völkern bewohnt werden.

Die andere Seite der Medaille ist, dass die Lebensbedingungen dieser Stämme aus unserer Sicht oft sehr ungünstig sind. Was die Eingeborenen nämlich vermutlich nicht wissen: Wir könnten ihnen gegen viele Krankheiten und Übel helfen und ihre Lebensspanne wahrscheinlich drastisch verlängern. Stattdessen wird die selbstbestimmte Isolation aufrechterhalten.

Die Frage scheint also zu sein: Wollen wir ihnen, eventuell sogar gegen ihren Willen, helfen und dabei ihre uralte Kultur zerstören, wie es schon so häufig geschehen ist? Oder sollen sie weiterhin isoliert in den Wäldern leben dürfen, mit allen damit verbundenen Nachteilen, aber auch mit ihren Traditionen und Sitten? Es ist zu befürchten, dass sich diese Frage von alleine erledigen wird, da die Zivilisation immer weiter in alle Ecken der Erde vordringt und eine Abschottung unmöglich macht. Eingeborenenschutzorganisationen haben es schwer.


Die im Video dargestellten Ergeignisse zeigen möglicherweise keinen richtigen Erstkontakt. Vielleicht ist manches darin auch von Jean-Pierre Dutilleux gestellt oder vorbereitet worden, aber so ähnlich könnte es sich tatsächlich zutragen. Auf den Laien wirkt es zumindest recht authentisch.

 
http://www.spiegel.de/fotostrecke/brasil…ecke-64140.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Isolierte_V%C3%B6lker
http://www.survivalinternational.de/ueber/funai-brasilien
http://www.sueddeutsche.de/wissen/unkont…-welt-1.1276405
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensc…d-a-829406.html

Samstag, 22. März 2014

Gene sind entscheidend

Lange war es politisch korrekt, die Handlungsweisen der Menschen alleine durch soziale Umstände zu erklären. Nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass Genetik doch eine größere Rolle spielt, als bisher gedacht.
"Es zeigt sich sehr deutlich, dass eineiige Zwillinge in ihren Persönlichkeitsmerkmalen und in ihrem Verhalten deutlich ähnlicher sind, als zweieiige Zwillinge, sodass wir sicher sein können, dass genetische Einflüsse für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig sind. Interessanterweise scheint es über die Lebensentwicklung hinweg zu sein. Also wenn wir älter werden, dass Gene an Einfluss eher gewinnen, als dass sie unwichtiger werden."

"Gene haben einen größeren Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit, als die Umwelt."
W wie Wissen - Zwillingsforschung

Mittwoch, 19. März 2014

Volksentscheide und die direkte Demokratie

Das Thema Volksentscheide war kürzlich bei der Entscheidung der Schweizer für eine Zuwanderungsbeschränkung aktuell. Auch auf der Krim wird von Russland eine Voksabstimmung über die russische Annexion vorbereitet.

Volksentscheide erscheinen als Mittel, den wahren Willen des Volkes politisch durchzusetzen. Warum basiert unsere Demokratie dann nicht auf ihnen? Weil die Mächtigen das Volk unterdrücken wollen? Ist die Sache so einfach?

Die Gründer der Bundesrepublik Deutschland hatten die Möglichkeit, eine direkte Demokratie als Herrschaftsform zu etablieren. Sie haben sich aufgrund schlechter Erfahrungen (Beispiel Weimarer Republik) bewusst dagegen entschieden. In einer direkten Demokratie werden die Entscheidungen über Volksentscheide getroffen. Das sieht auf den ersten Blick so aus, als wäre das die demokratischste aller Möglichkeiten. Es hat jedoch schwerwiegende Nachteile.

Volksentscheide brauchen viel Zeit. Ein Staat, der darauf basiert, ist schwerfällig und braucht zu lange, um Entscheidungen zu treffen. Häufig muss so schnell gehandelt werden, dass das einfach nicht mehr möglich ist. Je größer das Land, je mehr Einwohner es hat, desto teurer und schwieriger wird es.

Ein weiteres Argument gegen Volksentscheide ist, dass es dadurch antidemokratischen Gruppen oder Diktatoren ermöglicht wird, an die Macht zu kommen. Die direkte Demokratie ist also nicht wehrhaft. Dazu ein Zitat:

"Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahm zu legen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freikarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren."
("Völkischer Beobachter" vom 30. April 1928, Joseph Goebbels)

Ein Volksentscheid ist direkt von der aktuellen Stimmung in der Bevölkerung abhängig. Das ist eine große Gefahr, weil die Entscheidungen dadurch von aktuellen Medienberichten beeinflusst werden. Wenn jedoch gewählte Vertreter die Entscheidungen treffen, kann sichergestellt werden, dass dies unter sorgfältiger Abwägung und Beteiligung von Fachleuten und Experten geschieht.

Direkte Demokratie und Volksentscheide können in manchen Fällen sinnvoll sein. Die Schwerfälligkeit der direkten Demokratie ließe sich möglicherweise durch EDV-Lösungen reduzieren. Häufig geht es in der Politik aber um Entscheidungen, die viel Fachwissen erfordern, das der Mehrheit der Wähler abgeht. In diesen Fällen erscheint es wenig ratsam, Menschen bedeutende Entscheidungen treffen zu lassen, deren Auswirkungen sie noch gar nicht überblicken.

Dienstag, 18. März 2014

Aspartam ist wahrscheinlich sicher

Aspartam ist ein Süßstoff, der im Verhältnis zur sehr starken Süßkraft kaum Kalorien hat. Auch der Blutzuckerspiegel und die Insulinwerte werden nicht beeinträchtigt. Es hat einen schlechten Ruf, weil im Verlaufe der Zeit immer wieder Verdächtigungen geäußert wurden, es könne Krebs und viele andere Gebrechen verursachen, oder sogar - entgegen der Versprechungen - dick machen.

Warum verwenden dann so viele Firmen immer noch Aspartam als Süßungsmittel? Ein halbwegs intelligenter Lebensmittelproduzent kann sich doch ausrechnen, was passiert, wenn irgendwann mal rauskommt, dass er Gift in seine Produkte gemischt hat. Auch wenn er vielleicht durch eine fragliche Ersparnis kurzfristig mehr Gewinn machen sollte, wird er langfristig ruiniert sein, wenn das an die Öffentlichkeit gerät. Keine gute Strategie.

Der Grund dafür, dass man den Stoff immer noch verwendet, ist: Aspartam gilt offiziell als sicher. Das wurde durch wissenschaftliche Analysen und Studien in den letzten Jahren hinreichend belegt.
Wer aber den Staat und die Wirtschaft grundsätzlich für böse hält, wird sich durch Wissenschaft nicht irritieren lassen. Auf einschlägigen Verschwörungs-Websites finden sich immer noch diverse Behauptungen, die jedoch bereits untersucht und für haltlos befunden wurden.

"Von Verbrauchern wurden wiederholt Fragen nach potentiellen unerwünschten Wirkungen bzw. Nebenwirkungen zum Beispiel bei Verwendung des Süßstoffs Aspartam gestellt. Dabei wurden die im Stoffwechsel aus Aspartam entstehenden Stoffe Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol mit unerwünschten Wirkungen wie Kopfschmerzen, Allergien, neuroendokrinen Veränderungen, Epilepsie oder Hirntumoren in einen mutmaßlichen Zusammenhang gebracht. Nach eingehender Überprüfung durch den SCF und andere Expertengremien konnten die vermuteten Zusammenhänge nicht bestätigt werden (Opinion of the Scientific Committee on Food: Update on the Safety of Aspartame, expressed on 4 December 2002)."
http://www.bfr.bund.de/cm/343/bewertung_von_suessstoffen.pdf

"Das am 3. Mai 2006 von der EFSA angenommene wissenschaftliche Gutachten kommt zu dem Schluss, dass auf der Grundlage der vorgelegten Daten weder ein Grund besteht für eine erneute Überprüfung des früheren wissenschaftlichen Gutachtens zur Sicherheit von Aspartam noch zur Neufestlegung der vom SCF festgelegten ADI."
http://www.europarl.europa.eu/sides/getA…940&language=DE

"Diese angeblich ausgelöste cephalische Insulinsekretion wurde nur vermutet und nicht wissenschaftlich belegt. Unterdessen konnte mehrfach von führenden Medizinern und Ernährungsexperten, wie z. B. von Härtel und Steiniger wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Süßstoffe keinerlei Einfluss auf die Regulationsmechanismen von Insulinausschüttung, Hunger oder Appetit haben. Der Insulin- und der Blutzuckerspiegel, verändern sich nach dem Verzehr von Süßstoffen nicht – weder sofort nach dem Essen noch während des Verdauungsprozesses."
http://www.suessstoff-verband.de/fileadm…dSaettigung.pdf

"Mit Bezug auf Blundell/Hill wurde die Hypothese aufgestellt, dass Süßstoffe ebenso wie Zucker eine verstärkte Ausschüttung von Insulin kurz nach ihrer Aufnahme bewirkten (cephalische Insulinreaktion), obwohl diese im Gegensatz zu Zucker und Kohlenhydraten dem Körper keine Glucose zuführen. Kurze Zeit später komme es dann zu einem starken Abfall des Blutzuckerspiegels, was die Hungergefühle erkläre. In mehreren Versuchen wurde jedoch dieser Effekt nicht bestätigt, allerdings zeigt eine Studie aus dem Jahr 1998, dass verschiedene Süßstoffe mit einer bitteren Geschmackskomponente (Natriumsaccharin, Natriumcyclamat, Steviosid und Acesulfam-K), nicht jedoch Aspartam, an isolierten Ratten-Pankreas-Inselzellen die Insulinausschüttung statistisch signifikant steigern."
http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BC%C3%…gernden_Wirkung

"Immer wieder werden Gesundheitsrisiken oder sogar eine krebsfördernde Wirkung von zugelassenen Süßstoffen diskutiert. Vor einigen Jahren war das auch bei Aspartam der Fall: Obwohl die Substanz schon längere Zeit als Süßstoff zugelassen war, kam in Studien an schwangeren Frauen sowie im Tierversuch der Verdacht auf, sie könne das Krebsrisiko steigern. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bewertete Aspartam daher neu. Einen Beleg für eine krebssteigernde Wirkung fanden die EFSA-Experten dabei nicht. Bei einer erneuten Prüfung 2013 kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass Aspartam so, wie es derzeit in der EU verwendet wird, unbedenklich ist.
Alle bisher zugelassenen Süßstoffe gelten somit auch weiterhin als gesundheitlich unbedenklich und dürfen bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden."
http://www.krebsinformationsdienst.de/vo…usatzstoffe.php

"Aspartam ist nach gründlichen Sicherheitsbewertungen in vielen Ländern weltweit seit fast 30 Jahren zur Verwendung in Lebensmitteln sowie als Tafelsüßstoff zugelassen. Die erste in Europa durchgeführte Sicherheitsbewertung von Aspartam wurde 1984 vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Lebensmittel (SCF)[*] veröffentlicht. Daran anschließende, ergänzende Bewertungen des SCF erfolgten in den Jahren 1988, 1997 und 2002. 1984 legte der SCF eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) von 40 mg/kg Körpergewicht für Aspartam fest. Der ADI-Wert ist die auf der Basis des Körpergewichts geschätzte Menge eines Lebensmittelzusatzes, die ohne nennenswertes Gesundheitsrisiko ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann.

Das EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS-Gremium) hat eine vollständige Neubewertung der Sicherheit von Aspartam durchgeführt und gelangte zu dem Schluss, dass Aspartam in den derzeitigen Expositionsmengen unbedenklich ist. Das Gremium ist der Auffassung, dass der vom SCF festgelegte ADI-Wert für Aspartam für die allgemeine Bevölkerung (einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren) unbedenklich ist und die Exposition der Verbraucher gegenüber Aspartam unterhalb dieses ADI-Werts liegt. Dies gilt nicht für Personen, die an PKU leiden"
http://www.efsa.europa.eu/de/faqs/faqaspartame.htm

"FDA has completed its review concerning the long-term carcinogenicity study of aspartame entitled, "Long-Term Carcinogenicity Bioassays to Evaluate the Potential Biological Effects, in Particular Carcinogenic, of Aspartame Administered in Feed to Sprague-Dawley Rats," conducted by the European Ramazzini Foundation (ERF), located in Bologna, Italy. FDA reviewed the study data made available to them by ERF and finds that it does not support ERF's conclusion that aspartame is a carcinogen. Additionally, these data do not provide evidence to alter FDA's conclusion that the use of aspartame is safe."
http://www.fda.gov/food/ingredientspacka…s/ucm208580.htm

"Neuerdings kursieren haltlose Anschuldigungen über Aspartam durchs Web. Aspartam wird beschuldigt, Auslöser für verschiedenste Krankheiten von Multipler Sklerose bis Alzheimer zu sein. Da EUFIC sich einer sachlichen, auf wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Information verschrieben hat, ist es wohl an der Zeit, beim Thema Aspartam Dichtung und Wahrheit voneinander zu trennen.
[...]
Es gibt Personen mit einer sehr seltenen Erbkrankheit, der sogenannten Phenylketonurie, bei denen die Aminosäure Phenylalanin eine kritische Rolle spielt und die deshalb auf Aspartam verzichten müssen, da der Suessstoff diese Aminosäure enthält.
[...]
Eine Kampagne, über das Internet verbreitet, versuchte ohne jede wissenschaftliche Begründung eine Verbindung zwischen Aspartam und Multipler Sklerose herzustellen. Viele Gesundheitsorganisationen haben entsprechend ablehnend auf diese Kampagne reagiert. Dr. David Squillacote, medizinischer Beratungsleiter der Multiple-Sklerose-Stiftung stellte klar, daß keine wissenschaftlichen Hinweise bestehen, daß Aspartam in irgendeiner Weise Multiple Sklerose auslösen, fördern oder die Situation von MS-Patienten verschlechtern könnte."
http://www.eufic.org/article/de/artid/aspartam/

"Die FDA wertete eine große Anzahl toxikologischer und klinischer Studien zu Aspartam aus und erklärte 1981 den Gebrauch für sicher, sofern eine Tagesdosis von 50 mg/kg Körpergewicht/Tag nicht überschritten wird. Der EU-Grenzwert wurde auf 40 mg/kg Körpergewicht/Tag festgesetzt. Praktisch bedeuten 40 mg/kg Körpergewicht für einen 70 kg schweren Menschen etwa 266 Süßstofftabletten, oder 26,6 Liter Cola light, die an einem Tag eingenommen werden müssten.
[...] Im April 2006 veröffentlichte das US National Cancer Institute eine aktuelle Studie mit dem Ergebnis: „es gibt keinen Beweis für eine krebserzeugende Wirkung des Aspartams“.
[...]
Es existieren viele wissenschaftliche Quellen, die Gesundheitsgefahren von Aspartam aufzeigen oder widerlegen. Ein Faktum ist, dass im Wissenschaftsbetrieb allgemein viele Studien von der Industrie, die Aspartam oder auch Zucker herstellt, (ko-)finanziert werden und daher möglicherweise von verschiedenen ökonomischen Interessen beeinflusst sind. "
http://www.chemie.de/lexikon/Aspartam.html#_ref-4/

"Aspartam und seine Abbauprodukte sind für den menschlichen Verzehr in den derzeitigen Expositionsmengen sicher, so die Schlussfolgerung der EFSA in ihrer ersten vollständigen Risikobewertung des Süßungsmittels. Zur Durchführung dieser Risikobewertung nahm die EFSA eine gründliche Auswertung sämtlicher vorliegender wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu Aspartam und dessen Abbauprodukten vor, einschließlich Studien an Tieren und Menschen."
http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/131210.htm

"Es gibt keinerlei ernstzunehmende medizinische Studien, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Aspartam-haltigen Lebensmitteln und Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose nachweisen konnten. Gemessen daran ist es geradezu erschreckend, wieviel Unsinn darüber im Internet verbreitet wird. Aber natürlich sind alle Studien, die keine solchen Zusammenhänge gefunden haben, von der Lebensmittelindustrie gekauft - ebenso wie Universitäten, Zulassungsbehörden, Gesundheitsorganisationen usw. ... ;-)"
http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/aspartam.shtml

Trotzdem sollte man grundsätzlich immer vorsichtig bleiben. Etwas Zucker ist auch nicht ungesund und kann in Verbindung mit Sport sogar sinnvoll sein. Häufig jedoch wird zu viel Zucker aufgenommen und es findet zu wenig Sport statt. Die gesundheitsschädigenden Auswirkungen davon sind hinlänglich bekannt. Einen Teil der Zuckeraufnahme durch Aspartam zu ersetzen, ist nach aktuellem Stand der Forschung also für gesunde Menschen vollkommen unbedenklich und kann sich langfristig positiv auf die Gesundheit auswirken, wenn dadurch eine Aufnahme von zu viel Zucker verhindert wird. 

Dienstag, 31. Dezember 2013

Originalität, Kreativität und deren Ostkopie

Dass fortschrittliche Technik gerne in China auseinandergenommen, mit billigsten Methoden nachgebaut und dann wieder für wenig Geld auf den Markt geworfen wird, ist ja den meisten bekannt. Das gilt nicht nur für Technik, sondern beispielsweise auch für kulturelle Errungenschaften aus Architektur und Kunst. Gerade das Kopieren von Kunstgegenständen hat dort eine eigene Tradition. [1] Kopien von technischen Geräten und anderen Gegenständen aus China und Hongkong verursachen in Deutschland einen volkswirtschaftlichen Schaden von jährlich etwa 30 Milliarden Euro. [2]
Woran liegt das? Seit die Welt stärker vernetzt ist und kultureller Austausch stattfindet, bemühen sich unterentwickelte Länder, von den reichen Ländern zu profitieren. Jedes Land, nicht nur die armen Länder, möchte auch mit Hilfe besserer Technik Missstände beheben und wirtschaftlich erfolgreicher werden. Wenn es an Innovationen mangelt, gibt es die Möglichkeit, kreative Menschen aus fremden Ländern zu importieren, die einem auf die Sprünge helfen. Eine andere Option ist es, Industriespionage zu betreiben und somit auf weniger moralischem Weg an technologisches Wissen zu gelangen. Derartige Methoden sind weltweit verbreitet. Im westlichen Kulturkreis (europäisch geprägte Länder, d.h. Europa, Nordamerika, Australien) jedoch wird das als Diebstahl von Ideen angesehen. Das Stichwort ist Geistiges Eigentum. Urheberrecht, Copyright, Patent- und Markenschutz verhindern eine unkontrollierte Verbreitung von unterschiedlichen Werken. In China gibt es de facto keine vergleichbaren Einschränkungen oder Gesetze, die auch in angemessenem Maße durchgesetzt würden. Dementsprechend wird in unvorstellbaren Ausmaßen kopiert, nachgebaut, imitiert und plagiiert. Nicht nur Elektrogeräte, Computerteile, Hygieneprodukte, Fernsehsendungen, Spiele, Kleider oder Medikamente; ganze Firmen mit Fabriken, Forschungsabteilungen, Verkaufsnetzwerk und Büros werden nachgebaut. [3] Ortschaften leben von der Produktpiraterie. Und weil sie mit aller Gewalt den Preis niedrig halten müssen, um wirtschaftlich gegen die wahren Schöpfer anzukommen, sind die Produkte meist minderwertig und geben nach kurzer Zeit den Geist auf, oder führen im Falle von Lebensmitteln und Medikamenten zu ernsthaften bis tödlichen Gesundheitsschäden. [2]

Chinesische Unternehmen:
  • Nur 0,03 Prozent verfügen über eigene Technologie/Urheberrechte
  • 99 Prozent haben nie Patente beantragt
  • Knapp zwei Drittel haben kein eingetragenes Markenzeichen
(Pekinger Behörde zum Schutz des Geistigen Eigentums) [3]

Ein Grund dafür ist: In der chinesischen Gesellschaft gibt es keine besonders ausgeprägte Wertschätzung für ein Original, wie wir es verstehen. Es wird nicht in bedeutendem Ausmaß von Fälschungen und Plagiaten unterschieden. Im Gegenteil, Kopieren gilt in China als eigene Kunst und Zeichen der Wertschätzung und Huldigung für den kopierten Gegenstand. [1] Auch wenn die chinesische Regierung die Produktpiraterie offiziell nicht gutheißt, wird nichts ernsthaft dagegen unternommen. Also wird die Welt weiterhin mit Schrott überflutet. Die geplante Obsoleszenz tut dann noch ihr Übriges, wobei sie in den meisten Fällen vermutlich gar nicht notwendig ist, da die Geräte ganz von alleine sehr rasch verschleißen.

Die andere Seite der Medaille: Ein Original entsteht selten aus dem Nichts. Es baut immer auch auf dem Wissen von anderen auf. Ein Erfinder benutzt Methoden und Technik, die von anderen erfunden wurden und setzt sie neu zusammen. Wenn es jedem freisteht, die Werke anderer zu vervielfältigen, dann vermehren sich natürlich die Möglichkeiten. Manche sind der Meinung, dass das zu einer beschleunigten Entwicklung der Technologie führen würde und damit allen geholfen wäre. Aber wie wir gezeigt haben, ist das nur die halbe Wahrheit. Neben den oben genannten Folgen würde das nämlich auch dazu führen, dass der Anreiz, etwas neues und besseres zu erschaffen, geringer wird. Alle schauen nur noch, was die Nachbarn machen und imitieren es, aber verbessern es nicht. Die Konsequenz ist völlige Kreativlosigkeit, die durch eine bestimmte Form der Erziehung noch gefördert wird.

Das Fazit fällt moderat aus: Es muss ein Mittelmaß gefunden werden. Die Menschen brauchen die Möglichkeit, vom Wissen und den Erfindungen ihrer Vorgänger zu profitieren. Das Rad soll ja nicht zweimal erfunden werden müssen. Aber das grenzenlose Verbreiten und die Legitimierung von Fälschungen und Plagiaten zerstört Kreativität und verhindert Innovationen. Eine schöpferische Tätigkeit muss gewürdigt und mehr anerkannt werden, als ein bloßes Kopieren.

Beispiel: Herr Räuber nimmt ein Buch von Dr. Schneider, tauscht die Namen der Personen darin und den Titel aus und ändert den Umschlag. Dann verkauft er das Buch billiger. Er hat ja auch kaum Arbeit gehabt, also kann er sich das leisten. Dr. Schneider ist darüber wenig erfreut. Die Gewinne aus seiner Arbeit kommen nämlich nicht bei ihm an. Auch die Anerkennung für sein Werk geht nun zum Teil an einen anderen. Wenn Räuber das Buch von Dr. Schneider als Grundlage für ein eigenes Buch verwendet hätte, wäre das ein völlig anderer Fall. Dr. Schneider erhält die Anerkennung für sein Werk. Räuber war schöpferisch tätig und hat der Menschheit etwas neues gebracht, indem er auf vorhandenem Wissen aufgebaut hat. Dabei kann er auch Zitate verwenden, die ihm Stoff liefern, den er verarbeiten muss. Dieser Umgang mit Originalen ist in den meisten Ländern legal.
Fehlt jedoch ein solcher kreativer Prozess, findet keine Innovation statt und es handelt sich um eine Fälschung oder ein Plagiat, die nicht öffentlich verkauft werden dürfen. Der einzige Vorteil, den ein Plagiat haben kann, ist der niedrige Preis. Ärmere Leute (die es in China zuhauf gibt) können sich damit vielleicht Fälschungen von Schuhen der Marke Adolf Dasslers oder seines Bruders leisten. Aber dass billig nicht gleich preiswert bedeutet, ist offensichtlich. Die Passform ist orthopädisch bedenklich, Feuchtigkeit vom Boden kommt bald ungehindert in den Schuh, Sohlen sind schnell durchgelaufen oder brechen vom Schuh ab, das Gummi wird brüchig und enthält giftige Chemikalien, die Senkel reißen. Insofern ist der Preis meist kein wirklicher Vorteil. Wer jedoch kaum Geld hat, kann sich das nicht aussuchen. Die Verbreitung der Fälschungen löst dieses Problem allerdings auch nicht.

Eine moralische Grauzone sind Kopien, die als solche gekennzeichnet oder erkenntlich sind. Die Frage lautet: Darf man ohne Einwilligung des Urhebers ein Gerät oder ein Buch 1:1 kopieren und vermarkten, wenn man es als Kopie kennzeichnet? Nach deutschem Recht ist auch das nicht erlaubt, weil damit der Schöpfer seines geistigen Eigentums beraubt und gegen das Urheber- oder Patentrecht verstoßen wird. Dennoch ist das ein Punkt, über den es sich nachzudenken lohnt, da durch eine Erlaubnis der Verbreitung von Kopien beispielsweise die Verfügbarkeit von Wissen für alle erhöht werden könnte. Nur: Darf man das über den Kopf des Urhebers hinweg entscheiden?


Quellen und weiterführende Seiten:
1. Das Geschäft mit der Fälschung - Fälschungen aus China
2. Welt der Wunder - Gefährliche Plagiate
3. Urheberrechte in China - Im Schattenreich der Mitte
WISO - Wie Chinesen fälschen, nachbauen und kopieren
Wirtschaftswoche: Zoll beschlagnahmt immer mehr Fälschungen

Mittwoch, 27. Februar 2013

Wo Politik und Spiele kollidieren

In der Süddeutschen erschien ein Artikel von einem Pascal Paukner, der folgenden Titel trägt: "Sexismus in Videospielen - Wo Feminismus als "Terrorismus" gilt". Was meint er mit den Anführungszeichen? Gilt Feminismus in diesem Satz als Terrorismus, oder nicht? Oder wen zitiert er? Schreiben das die Spieler?
"Die Videospielbranche wäre gerne eine der modernsten Industrien der Welt. In ihren Spielen konserviert sie aber ein Frauenbild aus vergangenen Jahrhunderten. Wer daran etwas ändern will, stößt auf den erbitterten Widerstand organisierter Gamer. Manche drohen sogar mit Vergewaltigung und Mord."
Mit dieser Pauschalisierung sind die Spieleentwickler gemeint. Wer das im einzelnen ist, bleibt unklar. Hier wird behauptet, dass in Spielen ein überholtes Frauenbild konserviert wird. Und sofort wird emotionalisiert. Es fallen Reizworte wie Vergewaltigung und Mord. Man findet im Internet zu jedem beliebigen Thema emotionale Diskussionen, in denen einzelne Personen ihre Contenance nicht wahren konnten und ausfallend oder bewusst beleidigend wurden. Das ist allgemein bekannt, aber wird hier genutzt, um den Leser gegen diese angeblich organisierte Gruppe von Gamern aufzuhetzen. Ich vermute, dass Paukner sich diese Gruppe aus den Fingern gesogen hat, um ein Feindbild zu haben. Eine Verschwörung.
"Fast könnte man den Eindruck gewinnen, alles wäre in bester Ordnung: Auch Frauen spielen inzwischen Computerspiele. 10,8 Millionen sollen es laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung in Deutschland sein. Das entspricht einem Frauenanteil von 44 Prozent."
Seiner Meinung nach besteht also die beste Ordnung darin, dass Frauen alles genau so wie Männer machen. Ob sie wollen oder nicht!
Was aus seinen Zahlen nicht deutlich wird, ist die Tatsache, dass Frauen größtenteils einen etwas anderen Geschmack haben, was Spiele betrifft. Sie spielen typischerweise keine Egoshooter, keine Wettbewerbsspiele, in denen es Sieg oder Niederlage gibt, sondern Spiele, die Kommunikation, Fantasy, Romantik und Zwischenmenschliches beinhalten. Auch Casual-Games und Browser-Games sind bei vielen beliebt und alles was man so nebenbei mal spielen kann. Bei Strategiespielen tendieren sie eindeutig mehr zu den Siedlern, als beispielsweise zu dem eher taktisch anspruchsvollen Command & Conquer.
"Fünf solcher typischen Rollenbilder, in die Frauen von Computerspiele-Entwicklern immer wieder gezwängt werden, hatte Sarkeesian vorab identifiziert. Frauen als sexy Handlagerinnen [sic!] oder Schurkinnen, Frauen in der Rolle des kämpfenden Sexobjekts, Frauen als Hintergrunddekoration und Frauen als jungfräuliches Wesen. In den Videos wollte sie aufklären und erklären, warum solche Darstellungen ein Problem sind und welche Klischees sie befördern."
Spieleentwickler drängen Frauen in Rollen? Völliger Unsinn. Genau so wenig drängen sie Männer in Rollen. Ein Entwickler erschafft Phantasiewelten, in denen sich der Spieler wohlfühlen soll. Denn wenn sich Spieler wohlfühlen, kaufen sie Spiele. Bei männlichen Spielfiguren lassen sich ebenfalls solche wiederkehrenden Rollenbilder feststellen, aber naturgemäß mit anderer Betonung.
Wir haben gezeigt, dass Frauen andere Spiele bevorzugen. Ebenso haben Männer ihre Präferenzen. Diese sind biologisch bedingt, wie Harald Eia es in seiner Reportage "Das Gleichstellungsparadox" dargelegt hat. Es ist nicht primär die Gesellschaft, die uns ihre Rollen aufzwingt. Es sind die Menschen, die auf ihrer biologischen Grundlage handeln und die Gesellschaft prägen. Bestimmte Stereotypen werden von bestimmten Zielgruppen innerhalb der Computerspieler bevorzugt. Deshalb existieren sie. Jeder Film lebt von Stereotypen, oder aber dem bewussten Bruch mit Stereotypen, der ein interessantes Element darstellen kann, aber nur wenn Stereotypen auch existieren. Menschen wie Paukner und Personen die Ideologien wie Gender Mainstreaming vertreten, sehen aber nicht die Interessen der Spieler, sondern wittern Diskriminierung durch die Spieleentwickler.
"Als hätte Sarkeesian noch eine Bestätigung für ihre These gebraucht, dass die Videospielwelt noch immer eine männerdominierte ist, krochen plötzlich aus allen möglichen Ecken des Internets diejenigen, die genau diese alte Welt erhalten wollen. Was auf ihrer Webseite, auf YouTube und in Foren zu Tage trat, war kein lächerlicher Shitstorm, sondern Hass. Hunderte sexistische, rassistische und antisemitische Kommentare liefen auf. Auf ihre Website wurden DDos-Attacken gefahren. Ihr Wikipedia-Eintrag wurde mit Pornobildern und Verleumdungen verunstaltet, ihr YouTube-Kanal als "Terrorismus" gemeldet. Schließlich wurde ihr mit Vergewaltigung und Mord gedroht. Screenshots der Angriffe wurden in Gaming-Foren veröffentlicht und wie Trophäen herumgereicht. Was Sarkeesian traf, war nicht der Hass einzelner Verwirrter, sondern koordinierte Attacken aus Teilen der Gaming-Szene."
Männer dominieren also die Videospielwelt und unterdrücken Frauen. Ja, das Patriarchat eben, das überall lauert. Dieser Absatz ist gefüllt mit irrationaler Stimmungsmache. Es werden Internet-Trolle, die aus der Anonymität heraus Blödsinn machen, mit seriösen Kritikern in einen Topf geworfen. Der Leser soll den Unterschied nicht mehr erkennen und sich auf die Seite der Möchtegern-Weltverbesserer schlagen.
"Das ist kein Einzelfall. Als kürzlich auf einer der größten Computerspielmessen der Welt, der E3 in Los Angeles, die schwarze Schauspielerin Aisha Tyler für den Spielehersteller Ubisoft auf einer Pressekonferenz auftrat, dauerte es nur Sekunden, bis sich in den Gaming-Foren Hass breit machte. "Das kommt davon, wenn die Industrie von Juden und Linken infiziert wird, die dann 'Diversität' und 'Fortschritt' bringen. Lasst sie nicht unsere Spiele töten!", war zu lesen. Nur weil da jemand auf der Bühne stand, der nicht in das Bild des weißen, männlichen Computerspielers passen wollte."
In Gaming-Foren schreiben also hasserfüllte Rechtsradikale, die Schwarze nicht von Juden unterscheiden können. So ist das also.
Wer sich gegen Diversität richtet, ist nicht der Spieler oder der Entwickler. Spieler wollen nicht immer das gleiche vorgesetzt kriegen, sie wollen Abwechslung. Und Entwickler wollen das, was der Spieler will. Aber manche sind eben gegenüber dieser Freiheit intolerant und wollen genau vorschreiben, wie ein Spiel auszusehen hat.
 Dieser ganze Artikel vermittelt eine Botschaft: Es muss gesellschaftlicher Druck auf Spieleentwickler ausgeübt werden, damit weibliche Spielfiguren männliche Rollen einnehmen. In der Praxis sehen solche Bemühungen meist so aus, dass Frauen in allen Belangen über die Männer gestellt und bevorzugt werden (siehe Frauenquote). Und alle, die das nicht gut finden, sind hasserfüllte Rechtsradikale. Diese einseitige Bevorzugung (auch positive Diskriminierung genannt) wird dann so verkauft, als wäre sie nur ein Ausgleich für sonstige Benachteiligungen. Die aber sind wiederum größtenteils der Phantasie oder Vergangenheit entsprungen. Da stellt sich doch glatt die Frage, wer hier tatsächlich nach veralteten Mustern denkt.

Die zweite Seite des Artikels beginnt schon mit einer Überschrift, die sich gewaschen hat: "Manifest gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus"
Das Manifest kennen wir ja schon von Marx und Engels. Damit wird auch schon klar, wes Geistes Kind der Autor ist.
"Man könnte es sich leicht machen und die Angreifer als typischen Bodensatz des Internets relativieren - und damit akzeptieren. Das hieße aber, die Computerspielhersteller zu früh aus ihrer Verantwortung zu entlassen."
Klar, wer sich gegen erzwungene feministische Gleichmacherei und Bevormundung stellt, ist Bodensatz des Internets. Und die Hersteller der Spiele sind in der Verantwortung, diese Ideologie den Spielern schmackhaft zu machen. Ob sie wollen, oder nicht!
"Wer sich 2012 noch immer nicht zu schade ist, neue Games mit halbnackten Messehostessen anzupreisen, wer noch immer wie in "Hitman: Absolution" Computerspiele entwickelt, in denen ein einziger Mann acht schwer bewaffnete Latex-Killer-Nonnen tötet, und wer Lara Croft, die Protagonistin einer der bekanntesten Videospielserien der Welt, zwar entsexualisiert, sie aber gleichzeitig nur knapp einer Vergewaltigung entgehen lässt, der scheint kein großes Interesse an einem modernen Frauenbild zu haben."
Da scheint sich eine neue Welle der Prüderie anzubahnen. Mag ja sein, dass Paukner und seinen Gesinnungsgenossen die Ästhetik des menschlichen oder speziell des weiblichen Körpers zuwider ist, aber das gilt eben für die meisten Menschen nicht.
Hitman ist natürlich ein Paradebeispiel für ein regelrechtes Killerspiel. Dass in einem Trailer zu so einem Spiel Gewaltszenen vorkommen, ist zu erwarten. Dabei kommt der Held des Spiels selbstverständlich sehr gut weg. Es geht ja um den Werbe-Effekt. Woran sich der Autor hier stört, ist die Tatsache, dass Frauen hier auch mal als Gewaltopfer dargestellt werden. Dabei berücksichtigt er nicht, dass Männer nicht nur in Computerspielen und Filmen, sondern auch in der Realität ein vielfach höheres Risiko tragen, Opfer von Gewalttaten jeder Art zu werden. Diese Darstellung im Trailer von Hitman Absolution ist also eher eine absolute Ausnahme. Aber man muss dazusagen, dass diese Frauen trotz ihrer Kleidung in ihrer Vorgehensweise ein sehr maskulines Auftreten haben und in der Geschichte des Spiels nicht die Opfer sind, sondern Aggressoren.
Was will uns der Autor aber mit seiner Vorstellung eines neuen Frauenbilds sagen? Offenbar etwas anderes als das hier:


"Warum aber ist es, wie es ist? Mathias Fuchs ist Medientheoretiker an den Universitäten in Potsdam und Manchester und hat eine einfache Erklärung für das Phänomen: "Die Branche ist noch immer sehr männerdominiert. Die Entscheidungsträger sind quasi zu 95 Prozent Männer", sagt der Wissenschaftler."
Warum ist es, wie es ist? Manchmal sind einfache Erklärungen eben nicht ausreichend. Warum gibt es unter den Spieleentwicklern und Programmierern so viele Männer? Lässt man Frauen nicht an den Code ran? Nein, jeder kann mit Materialien aus dem Internet oder einem guten Buch programmieren lernen. So etwas wie eine Gläserne Decke existiert nicht. Es gibt nur eine einzige Voraussetzung: Wirkliches Interesse! Und genau daran scheitert es häufig.
"Noch wesentlicher sei aber, dass die meisten Programmierer zwischen 18 und 28 Jahre alt seien. Die Fähigkeit, zu hinterfragen, welche Stereotype sie reproduzierten, sei oft nur eingeschränkt vorhanden."
Nun gut, im Laufe des Lebens können sich besonders bei wankelmütigen oder ganz besonders offenen Menschen Interessen und Ansichten ändern, das muss auch nichts negatives sein, aber 27-jährigen Männern pauschal die Fähigkeit abzusprechen, zu wissen was sie tun, ist doch sehr anmaßend. Wie alt wird wohl Herr Paukner selbst sein, dass er die Situation so trefflich beobachten kann?
Wenn man diese Art von Diskussionskultur beim Studium von Politik- und Kommunikationswissenschaft erlernt, dann sollte man noch einmal ernsthaft darüber nachdenken, was man mit dieser Zeit hätte besseres anfangen können. Vielleicht ein gutes Spiel spielen.
"Bewegungs-, Musik- und Tanzspiele haben dazu beigetragen, dass heute fast die Hälfte der Spielerinnen weiblich ist. Ebenso der Popularitätszuwachs von Browsergames, gefördert durch den Boom des Social Webs. Das sind aber häufig Spiele, die ohne besonders ausgeprägte Story auskommen, weil sie zum Zeitvertreib für zwischendurch oder als Gemeinschaftserlebnis mit Freunden gedacht sind."
Die Hälfte der Spielerinnen ist weiblich? Das stimmt nicht. Alle Spielerinnen sind weiblich. Aber nicht alle Spieler. Und genau die oben aufgezählten Genres sind es eben, die weibliche Spieler normalerweise bevorzugen. Niemand zwingt sie. Es macht ihnen einfach Spaß!
"Viele männliche Gamer lehnen einen solch dumpfen Sexismus inzwischen ab."
Dumpfen Sexismus lehnen wohl die allermeisten ab. Ich habe aber die begründete Befürchtung, dass der Verfasser überall dort Sexismus wittert, wo es klar erkennbar ist, wer eine Frau und wer ein Mann ist.
"Im vergangenen Dezember stellten Computerspielerinnen ein sehenswertes Manifest auf YouTube, in dem sie ihre männlichen Mitspieler auffordern, sie nicht wie den letzten Dreck zu behandeln. Ihr Appell: "Sei nicht rassistisch. Sei nicht homophob. Sei nicht sexistisch"."
Das lustigste daran ist der Youtubename dieser Computerspielerinnen: SexyNerdGirlPresents


Die inhaltliche Weiterentwicklung von Computerspielen in allen Ehren. Es ist auch schön und gut, wenn sich Entwickler finden, die Frauen als Zielgruppe mehr ansprechen, als es bisher der Fall war. Aber deshalb Spiele zu verdammen, die sich durch ihr Konzept explizit an männliche Spieler richten, die ja immer noch die Mehrheit darstellen, ist grober Unfug.

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